Rekultivierung nach Windwurf und Borkenkäfer – so wird der Waldboden wieder nutzbar
Kurzfassung: Rekultivierung bedeutet, geschädigte oder verdichtete Böden wieder in einen nutzbaren Zustand zu bringen. Im Wald ist das vor allem nach Windwurf, Borkenkäferbefall und Holzernte nötig – überall dort, wo schwere Maschinen den Boden verdichtet haben oder Sturmschäden die Fläche zerstört haben. Dieser Artikel zeigt, wann Rekultivierung sinnvoll ist, wie sie abläuft und welche Förderungen es gibt.
Was bedeutet Rekultivierung?
Rekultivierung ist die Wiederherstellung geschädigter Böden und Flächen in einen nutzbaren Zustand – für Land- oder Forstwirtschaft, für Wege oder für die Natur. Im Unterschied zur Renaturierung (Ziel: naturnaher Zustand) geht es bei der Rekultivierung um Nutzbarkeit: Der Boden soll wieder tragfähig, bewirtschaftbar und produktiv sein.
Die häufigsten Anlässe für Rekultivierung im Wald:
- Windwurf und Sturmschäden – aufgewühlter, zerstörter Waldboden
- Borkenkäferbefall – großflächig abgestorbene Bestände, die geräumt werden mussten
- Rückegassen und Holzernte – verdichtete Böden durch schwere Maschinen (Harvester, Forwarder)
- Entsiegelte Bauflächen – ehemalige Lagerplätze, Baustraßen, Zwischendepots
- Alte Forststraßen – aufgelassene Wege, die zurückgebaut werden sollen
Warum verdichteter Waldboden ein Problem ist
Bodenverdichtung ist unsichtbar – aber sie hat massive Auswirkungen:
- Wasser staut sich an der Oberfläche statt zu versickern → Erosion, Auswaschung, Staunässe
- Wurzeln können nicht tief genug wachsen → junge Bäume kümmern oder sterben ab
- Bodenorganismen sterben → natürliche Bodenregeneration kommt zum Stillstand
- Wiederaufforstung scheitert → Setzlinge gehen auf verdichtetem Boden nicht an
Das Problem: Verdichteter Boden erholt sich ohne Eingriff extrem langsam – Schätzungen gehen von 50–100 Jahren natürlicher Regeneration aus. Maschinelle Rekultivierung kann diesen Prozess auf wenige Tage verkürzen.
So läuft Rekultivierung in der Praxis ab
Der Ablauf hängt vom Schadensbild ab. Der typische Prozess bei verdichteten Waldböden:
- Bestandsaufnahme: Fläche besichtigen, Schadensausmaß erfassen, Bodenart und Verdichtungsgrad einschätzen.
- Bestand aufbrechen: Mit Spezialfräse den verdichteten Boden aufreißen, Steine drehen, Wurzelreste zerkleinern.
- Fräsen und mischen: Oberboden und Unterboden werden durchmischt – der Bestand verbindet sich tragfähig mit dem Untergrund. In den meisten Fällen ohne Fremdmaterial.
- Profil herstellen: Entwässerung sicherstellen, Quergefälle anlegen, Mulden und Abläufe wiederherstellen.
- Verdichten und ansäen: Tragfähigen Aufbau schaffen, Oberfläche glätten, standortgerechte Ansaat oder Begrünung.
Das Ergebnis: Ein tragfähiger, durchwurzelbarer Boden, auf dem Wiederaufforstung oder natürliche Verjüngung möglich ist – in Tagen statt in Jahrzehnten.
Typische Einsätze: Wo Rekultivierung den Unterschied macht
Nach Windwurf
Sturmflächen sind ein Chaos aus Wurzeltellern, aufgewühltem Boden und Holzresten. Bevor hier aufgeforstet werden kann, muss die Fläche begehbar und pflanzbar gemacht werden. Die Fräse ebnet die Fläche ein, zerkleinert Wurzelteller und schafft ein gleichmäßiges Planum.
Nach Borkenkäfer-Räumung
Wenn Harvester und Forwarder über Wochen auf der Fläche arbeiten, bleibt verdichteter, spurenübersäter Boden zurück. Ohne Rekultivierung scheitert die Wiederaufforstung – Setzlinge gehen auf verdichtetem Boden nicht an. Die Fräse bricht die Verdichtung auf und stellt die Bodenfunktion wieder her.
Rückegassen und Maschinenwege
Jede Holzernte hinterlässt Rückegassen – tiefe Spurrinnen, in denen der Boden auf Jahrzehnte verdichtet ist. Rekultivierung macht diese Flächen wieder durchwurzelbar und verhindert, dass Oberflächenwasser in den Spurrinnen abfließt und Erosion verursacht.
Entsiegelte Flächen
Ehemalige Lagerplätze, Baustraßen oder Zwischenlager im Wald müssen nach Abschluss der Arbeiten zurückgebaut werden. Rekultivierung bricht die versiegelte Oberfläche auf und stellt die natürliche Bodenfunktion wieder her.
Förderungen für Rekultivierung
Rekultivierungsmaßnahmen werden in Österreich über mehrere Programme gefördert:
- Waldfonds: Bis zu 65 % für Waldumbau und Bodenbearbeitung
- Borkenkäfer-Sonderförderung: 2.500 €/ha pauschal + bis zu 70 % für Wiederaufforstung
- Investitionsförderung „Umweltwirkung": 40 % für Rekultivierung mit Biodiversitäts-Schwerpunkt
- Landesförderungen Steiermark: Zusätzliche 25 % für maschinelle Bodenbearbeitung
Mehrere Programme lassen sich kombinieren – in manchen Fällen sind Eigenanteile von unter 20 % möglich.
Wichtig: Niemals mit den Arbeiten beginnen, bevor der Förderantrag genehmigt ist. Vorzeitiger Maßnahmenbeginn ist der häufigste Ablehnungsgrund.
Rekultivierung vs. Bodenaustausch – warum Fräsen meist die bessere Lösung ist
| Kriterium | Bodenaustausch | Rekultivierung durch Fräsen |
|---|---|---|
| Methode | Verdichteten Boden abtragen, neuen aufbringen | Bestand aufbrechen, fräsen, mischen |
| Fremdmaterial | Große Mengen nötig (teuer, Logistik) | In der Regel keines nötig |
| Kosten | Hoch (Material + Transport + Entsorgung) | Deutlich günstiger |
| Ergebnis | Neuer Boden, aber ohne gewachsene Struktur | Bestehender Boden, tragfähig aufbereitet |
| Ökologisch | Problematisch (Bodenverlust, Transporte) | Boden bleibt vor Ort, kein Abtransport |
In den meisten Fällen ist Rekultivierung durch Fräsen die wirtschaftlichere und ökologisch sinnvollere Lösung. Bodenaustausch macht nur Sinn, wenn der vorhandene Boden kontaminiert oder unbrauchbar ist.
Häufige Fragen zur Rekultivierung
Was ist Rekultivierung einfach erklärt?
Rekultivierung macht geschädigte oder verdichtete Böden wieder nutzbar – für Forstwirtschaft, Landwirtschaft oder Natur. Der Boden wird aufgebrochen, gemischt und so aufbereitet, dass Pflanzen wieder wurzeln können.
Was ist der Unterschied zwischen Rekultivierung und Renaturierung?
Rekultivierung zielt auf Nutzbarkeit (wieder bewirtschaftbar). Renaturierung zielt auf Ökologie (naturnaher Zustand). In der Praxis überschneiden sich beide Ansätze häufig.
Wie lange dauert natürliche Bodenregeneration ohne Eingriff?
Schwer verdichtete Waldböden brauchen ohne Eingriff geschätzt 50–100 Jahre, bis sie wieder voll durchwurzelbar sind. Maschinelle Rekultivierung kann das auf wenige Tage verkürzen.
Braucht man für Rekultivierung Fremdmaterial?
In den meisten Fällen nein. Durch tiefes Fräsen und Mischen verbindet sich der bestehende Boden tragfähig mit dem Untergrund – oft stabiler als aufgebrachtes Material.
Wird Rekultivierung gefördert?
Ja – über den Waldfonds (bis 65 %), Borkenkäfer-Sonderförderung und Landesförderungen. Mehrere Programme sind kombinierbar. Wichtig: Nie mit Arbeiten beginnen, bevor der Antrag genehmigt ist.
Fläche geschädigt? Wir schauen's uns an.
Ob Windwurf, Borkenkäfer oder verdichtete Rückegassen – wir besichtigen Ihre Fläche und sagen ehrlich, ob Rekultivierung sinnvoll ist und welche Förderungen passen.
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Einsatzgebiet: Steiermark, Kärnten, Niederösterreich, Burgenland

